Güle Güle, Kazim!

Nun steht fest, Spiegel Korrespondent Hasnain Kazim muss die Türkei verlassen. Wie der Spiegel berichtet, führe die fehlende Presse-Akkreditierung für den Journalisten dazu, dass eine Arbeit in der Türkei nicht mehr möglich sei. Das türkische Recht kopple Aufenthaltserlaubnisse internationaler Journalisten an die Erteilung einer Presse-Akkreditierung. Soweit so gut.

Doch nun beschwert sich Spiegel-Online-Chefredakteur Florian Harms, dass dies eine politische Entscheidung sei um die kritische Berichterstattung zu verhindern. Kazim werde aber weiterhin „fair und kritisch“ berichten, jedoch aus Wien. Nun hier muss mal Halt gemacht werden!

Denn Hasnain Kazim fiel mit vielem auf, wie zum Beispiel mit Berichten über goldene Kloschüsseln im Präsidentenpalast, mit einer Schar von geheimen Informanten, die ihm regelmäßig Informationen zugespielt haben sollen, mit dem Ausweiden der Facebook-Hassbotschaften, die mittlerweile jeder Journalist – auch in Deutschland – bekommt. Aber mit einer fairen Berichterstattung fiel er nun wirklich nicht auf.

Seine persönliche Abneigung gegen die Regierung in der Türkei, die in Jubelbotschaften nach den Wahlen im Juni 2015 ausarteten, seine allzu durchschaubare Art über die politischen Geschehnisse in der Türkei zu berichten und seine größte Schwäche, seine Behauptungen auf „Quellen“ zu stützen, die angeblich ihre Namen nicht genannt haben wollen, machten Spiegel-Korrespondent Hasnain Kazim zu einem der schwächsten deutschsprachigen Auslandsjournalisten. Sogar seine Ausreise war geprägt von dieser journalistischen Schwäche. Aus Sicherheitskreisen habe er erfahren, dass ihm „ein Prozess wegen Unterstützung einer Terrororganisation“ drohen könnte, sollte er das Land nicht verlassen. Bla, bla, bla. 

Trotz seiner Berichte, in denen er unbelegt der Regierung ziemlich alles vorwerfen konnte, was im menschlichen Hirnkomplex konstruierbar war, durfte Hasnain Kazim in der Türkei frei arbeiten, frei berichten. Dennoch glaube er, dass man von Pressefreiheit in der Türkei „schon seit Langem nicht mehr sprechen“ könne. Auch wenn der von ihm oftmals als Diktator oder autoritär bezichtigte Präsident und kein einziges türkisches Gericht ihn an seiner kritischen Berichterstattung und an seinen auf unbekannte Quellen beruhenden Geschichtenerzählungen gehindert hat.

Dass die türkische Pressebehörde, die auch die qualitative Leistung der Journalisten überprüft, sich bei dem Seemannsgarn bislang schwertut Kazim einen Presseausweis auszuhändigen, ist aus dieser Perspektive nachvollziehbar. Er sollte jedoch, für die jahrelange Geduld der türkischen Pressebehörde dankbar sein.

In Deutschland hätten unbelegte Geschichten mit anonymen Quellen und geschmacklosen Vorwürfen über die Kanzlerin Merkel, es nicht mal bis zur Redaktionstür geschafft und, aus rechtlicher Sicht, den Magazinen und Zeitungen große Kopfschmerzen bereitet. Wegen eines kritischen Titels hetzten Cem Özdemir und Claudia Roth in höchst eigener Person dem kleinen Nachrichtenportal DTZ Anwälte ins Haus, der die Wahlkampfhilfe der Grünen für die PKK-Partei HDP thematisierte.

So frei wie aus Istanbul wird er also nicht mehr berichten können. Da Hasnain Kazim sich immer wieder darüber beschwerte, keine Gesprächspartner zu bekommen, weil man ihm angeblich nie Interviews geben wollte, macht es wahrscheinlich auch keinen großen Unterschied, ob er seine durch „geheime Informanten“ zugespielten Geschichten in Wien spinnt oder aus Istanbul.

Viel Erfolg in Wien und Güle Güle, Kazim!

9 Comments

  1. Karen said:

    „Dennoch glaube er, dass man von Pressefreiheit in der Türkei „schon seit Langem nicht mehr sprechen“ könne.“ Der Ton des Kommentars legt nahe, dass sie das anders sehen? Ist dem so? Nach den Ereignissen bei der Zaman? Nach der Untersuchungshaft gegen Cumhuriyet-Journalisten?

    19. März 2016
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  2. Karl-Peter Ingelheimer said:

    Hmm, ich fand Kazims Artikel zwar immer kritisch, aber ausgewogen, fair und irgendwie auch von Sympathie gegenüber der Türkei und den Menschen dort getragen. Werde die Texte von ihm vermissen. Die große Mehrheit der Leser wohl auch, jedenfalls ist das mein Eindruck. Ihr Artikel hier hingegen scheint eher von Verletztheit und Gehässigkeit („Güle Güle“) geprägt zu sein, was mich darin bestärkt, dass Kazim als Journalist die treffende Kritik angebracht hat.

    19. März 2016
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  3. holz buch said:

    Vielleicht beißt man nicht die Hand, die einen füttert, Herr Bilgin?
    Die Türkei hat in den letzten Jahren eine problematische sozialpolitische Entwicklung eingeschlagen, die entweder auf einfältige Bewohner oder auf Repressionen von Seiten der Staatsmacht zurückgeht. Wahrscheinlich die gute Mischung. Schade, dass vieles, was davor mühsam gekeimt hatte, schnell plattgewalzt wurde.

    19. März 2016
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  4. AFD said:

    Ist es nicht widersprüchlich, dass die Türkei drei Mio Flüchtlinge (Frauen und Kinder) aus Syrien aufnimmt, darunter sehr viele Kurden, und gleichzeitig einen Krieg im eigenen Land gegen Kurden führen soll? Und warum hört man so wenig über die PKK in diesem Krieg?

    Nun, Journalisten wie Hasnain Kazim haben entschieden, dass „die Türken“ einen Krieg gegen „die Kurden“ führen. Präziser wäre es allerdings gewesen, wenn es hieße „die türkischen Sicherheitskräfte“ bekämpfen „die Kurden“. Den bekanntlich leben überall in der Türkei Kurden mit Türken, seit Jahrhunderten verwurzelt, zusammen. Den das der „Otto-Normal-Türke“ auf Anordnung auf seine Verwandten los geht, glaubt doch niemand.

    Allerdings müsste es mit der deutschen Präzision dann auch besser hießen „die türkischen Sicherheitskräfte“ bekämpfen „PKK-Terrorristen“. Das wiederum wäre der Demontage der „Türken“ in den Medien kontraproduktiv.

    Der springende Punkt ist allerdings, dass wir, Vertreter der „freien Welt“, schon längst uns und die Wahrheit aufgegeben haben, gegen eine vermeintliche Sicherheit die man uns auch mittels Medien verkaufte, von Journalisten wie Hasnain Kazim. Während wir uns selbst belügen und die Realität „Türken gegen Kurden“ projizieren, merken wir gar nicht, daß diese Projektionen auch uns betreffen. Diese Schwäche der „freien Welt“ haben auch die Rechtspopulisten entdeckt und werben mit Begriffen wie „Lügenpresse“ für ihre Ziele. Dies ist Journalisten wie Hasnain Kazim zu verdanken.

    20. März 2016
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  5. Alp said:

    Also man sieht schon, dass Sie ein überzeugter Regierungsfan in der Türkei sind und haben auch gewisse Respekt und Angst vor ihr. Ansonsten kann ein objektiver, demokratischer und freier „Journalist?!“ nicht in dieser Art und Weise versuchen die Vorwürfe zunichte zu machen…Ein Journalist hat die Aufgabe zu kritisieren und unter Frage zu stellen, nicht alles schön reden! Das was Sie schrieben, beweist schon, dass Hasnain nicht blödsinn erzählt… Sie sollen Ihre Augen öffnen und verstehen, welche Gefahren auf die Türkei in naher Zukunft warten…

    20. März 2016
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  6. Mensch said:

    Ein Heuchler weniger!

    21. März 2016
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  7. Johannes said:

    Also jeder der die letzen 50 Artikel von Kazim über die Türkei gelesen hat kann eindeutig sagen das er kein Jounalist sondern ein bezahlter „gleich geschalteter Knopfdrücker“ war. Von wegen seine Artikel waren ausgewogen. Ich hab nicht ein Artikel von ihm gelesen wo er positiv über eine Entwicklung in der Türkei geschrieben hat. So einer ist einfach nur da um für Unruhe zu sorgen. In vielen teilen der Welt hätte man ihn nicht mal als Journalist akzeptiert. Es ist scho ziemlich witzig das so einer von Dikatur in der Türkei spricht aber kein Wörtchen gegen SISI in Ägypten richtet.

    22. März 2016
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  8. Interpret II said:

    Leider lesen sich viele Artikel von Sabah oder Akşam ähnlich, vor allem wenn es Deutschland geht. Ich würde mir wünschen, dass Sie bei denen ähnlich kritisch sein würden wie beim Spiegel, wo ich Ihnen recht gebe. Doch vielleicht gilt auch bei Ihnen: Die Hand, die mich füttert, beiße ich nicht? Dennoch freit es mich, dass Sie ein ernstzunehmendes intellektuelles und sprachliches Niveau vertreten, das weit über dem politischem Meinungskrieg in türkischem Zeitungen liegt…

    29. März 2016
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  9. Cengiz said:

    Dieser Spiegeltyp ist doch genau dasselbe Model wie bei all den anderen grossen deutschen Medien wenn es um die Türkei Berichterstattung geht. Es sind fast immer Leute die sich als ,,Journalisten“ bezeichnen und einen türkeifeindlichen Hindergrund haben bei genauerer Betrachtung. Erinnert sich hier noch einer an den ungarischen Juden Boris sowieso der für die Welt geschrieben hat ? Und was der nicht alles der Türkei verleumderische Unterstellt hat in seinen Artikeln !! Aber der wurde ja dann durch diesen PKK-Propagandisten Deniz Sowieso ersetzt, der aber zumindest Intellektuell nicht ganz an den Boris rankommt bei seinen Artikel, wohl als Aushilfe angeheuert der Mann. Davutoglu hat ihn ja in der Luft zerrissen, danach hat der sich an eigene heldenstory vom verfolgten Journalisten zusammengestrickt um damit begründen zu können warum er nicht mehr aus der Türkei berichten kann. Lachhaft dämmlich.

    ,,Die Zeit“ ist auch so ein Fall.
    Im übrigen macht es in den deutschen Medien keinen wirklichen Unterschied welche Regierung in der Türkei an der Macht ist. Ich beobachte diese propagandische Verleumdungskampagne der deutschen Medien schon gut und gerne seit dem Anfang der 90′ sehr genau. Immer der selbe Mist wenn es um das Thema Türkei geht. Irgendwann hab ich das dann auch erkannt und seitdem vertrau ich den deutschen Medien kein Stück mehr, alles Lug und Trug, Propaganda vom übelsten. Aber wenn man sich internationale Medien dann wiederum anschaut, fällt einem auf das das christliche Abendland anscheinend immer noch auf dem Kriegspfad in Kreuzfahrer manier sind. Zumindest mit dem Stift.

    3. April 2016
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