Matrix und die integrationsunwilligen Türken

Menschen werden auf einer kaputten und zerstörten Welt in Behältern konserviert, um aus ihnen die Energie für eine künstliche Intelligenz zu speisen. Der bewusstlos konservierte Mensch wird in eine künstliche und glückliche Traumwelt versetzt, die er für die Realität hält. Die Informationen für diese Traumwelt liefern die neuen Herrscher, aus der Simulationssoftware „Matrix“. Eine Glanzleistung der amerikanischen Filmindustrie, jedoch unter falschem Genre. Es ist kein Science-Fiction, sondern bitterböse Realität.

Heute füttert uns die Matrix aus vielen Kanälen mit Informationen. Sie gibt uns in allen Bereichen unseres Lebens vor, was für uns gut sein soll, was nicht. Sie gibt uns vor, wer der Held ist und wer der Schurke und sie gibt uns vor, wie wir zu denken und zu fühlen haben. Wir sind einem Diktat ausgeliefert, das weiß zu schwarz erklärt und jegliche Zweifel daran erbarmungslos bekämpft.

Während im Film in Neos Hirn eine Kampf-Software aufgespielt wird, die ihn innerhalb von Minuten zu einer Kampfmaschine macht, wird in der realen Welt in Hans Gehirn ein Lexikon aufgespielt, das aus Hans innerhalb weniger Tage einen Türkei-Experten, ja sogar einen Professor für die nahe Geschichte der Republik Türkei macht. Egal ob Hans früher ein apolitischer Handwerker, Arbeitsloser, Unternehmer oder Jurist war, er ist ab dem Update ein wandelndes Lexikon über die Erdoğansche-Politik in der Türkei.

Ein wahrlich effektives System, das durch täglich vielfaches Wiederholen der gleichen Phrasen, innerhalb von nur einigen Monaten das deutsche Hirn für politische Zukunftszenarien wappnet. War es vor einigen Jahren der erste demokratisch gewählte ägyptische Präsident Mursi, auf dessen Sturz man die Menschen mit einer Fülle von programmierten Informationen vorbereitete, so ist es heute wie gestern der hartnäckige Recep Tayyip Erdoğan an dem sich die Matrix-Entwickler die Zähne ausbeißen.

Dabei lassen die neuen Matrix-Herrscher aus den Redaktionsstuben der Presseagenturen seit Jahren volles Geschütz auffahren und füttern ununterbrochen Hans Hirn mit Datensätzen wie: Recep Tayyip Erdoğan ist ein «Autokrat»; Recep Tayyip Erdoğan ist ein «Islamist»; Recep Tayyip Erdoğan ist ein «Faschist»; Recep Tayyip Erdoğan unterdrückt «Minderheiten in seinem Land»; Recep Tayyip Erdoğan verachtet «Frauen»;Recep Tayyip Erdoğan ist gegen «Presse und Meinungsfreiheit»…

Kleine Rädchen in der Maschinerie der Scheinwelt-Entwickler, wie der Zeit-Auslandskorrespondent Michael Thuman, stoßen nun eine neue Phase der Desinformation an. Anlässlich des Merkel-Besuches in der Türkei, warnt Thuman zum Beispiel europäische Politiker vor „Schmeicheleien“ an einen angeblich „destabilisierenden Tyrannen“, weil man sich auf dessen „Sturz“ gefasst machen müsse. «Tyrann; Destabilisierung; Umsturz». Die Matrix denkt an alles, bereitet die Datensätze sorgfältig auf.

Thumans manipulative Datensätze sind so ausgefeilt, dass das ägyptische Putschregime und die demokratisch legitimierte türkische Regierung in einem Atemzug als „autoritär regierte Länder“ auf die gleiche Ebene gehievt werden. Dabei wird auch der demokratisch gewählte Präsident Erdoğan mit Putschgeneral Sisi in einen Topf geworfen und als „Tyrann“ bezeichnet, der „auf den guten Rat aus dem Westen“ schon lange nicht mehr hört. „Auf den guten Rat des Westens“ nicht zu hören- ist scheinbar ein KO-Kriterium für die Matrix.

Doch abseits der projizierten Scheinwelt sieht natürlich die Realität ganz anders aus. Denn während westliche Politiker durch konsequentes Schweigen ihre Zustimmung am Militärputsch und damit der Zerstörung der ägyptischen Demokratie, signalisierten, war es gerade der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan, der auf internationaler Bühne am lautesten gegen den Militärputsch protestierte und sich für die ägyptische Demokratie einsetzte.

Und während heute die westlichen Staatsführer mit Milliardenaufträgen die Früchte ihrer Zustimmung für die Zerstörung der ägyptischen Demokratie in Kairo im Wochenrhythmus abholen, steht die Türkei immer noch auf politischem Kriegsfuß mit dem ägyptischen Putschregime.

Dass Recep Tayyip Erdoğan, der demokratischste Präsident seit Gründung der Republik ist, dass seine ganze Politik der vergangenen Jahre zum Großteil auf die Beseitigung der gesellschaftlichen Benachteiligung von Minderheiten wie Kurden beruhte, dass er nachweislich der türkische Politiker ist, der sich mit Abstand am meisten für die Rechte der Christen und Juden in der Türkei einsetzte, dass dieser Mann am meisten für die Frauenrechte getan hat, sind Informationen, die dem Hans verborgen bleiben.

Vor allem aber gibt die Matrix nur soviel Input wie nötig, um nicht den Software-Clienten kollabieren zu lassen. Die unübersehbaren Erfolge in der Wirtschaftspolitik, und den Ausbau der Infrastruktur kann man vor dem einfachen Türkei-Touristen nicht verbergen, also wird dieser als Input weiter aufbereitet und verstreut.

Doch bei aller Perfektion des Systems gibt es einen kleinen Haken. Nicht die am System angeschlossenen und zum Türkei-Experten mutierten Hansens, sondern Mehmets entscheiden über die Zukunft der Türkei. Die wiederum sehen noch ungefiltert die Realität um sich herum. Sie sehen auch wie der Westen in der Region eiskalt Demokratiebewegungen abserviert und nicht vom Volk legitimierte, aber dafür kontrollierbare Machthaber unterstützt.

Für die im Matrix-System Angeschlossenen, haben die Entwickler schon eine Lösung gefunden. «In den Wahlen fallen die Menschen leider immer wieder auf die Projektion von Stabilität herein. Das beste Beispiel lieferte die Türkei ab», so die Information vom  Zeit-Journalisten Thuman, der seine Clienten darauf programmiert, dass der Mehmet seit 2002, also seit 14 Jahren, den falschen Mann wählt.

Gut, dass es eine Matrix gibt, die für uns das Denken übernimmt. Doch die Türken scheinen derart rückständig zu sein, dass man sie nicht einfach ins System integrieren kann. Bis dahin müssen diese Integrationsverweigerer noch in der Realität harren.

Ein Kommentar

  1. ebabil said:

    Toller Artikel, der die Situation visualisierend darstellt.

    28. April 2016
    Reply

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