Foto: Thierry Caro, Jérémie Hartmann / Wikipedia (CC-BY-SA-4.0)
Terroranschlag auf „Charlie Hebdo“

Ein schwarzer Tag für alle

Drei Attentäter, die in einem Pariser Redaktionsbüro ein Massaker anrichteten, haben an diesem Tag nicht nur die Opfer in dem Redaktionsbüro attackiert, nein sie haben auch Millionen Muslime, die in schwierigen Zeiten mit Worten und Taten das Bild ihrer friedlichen Religion zu wahren versuchten, auf grausame Weise angegriffen.

Die Tatsache, dass die Attentäter genauso wenig islamisch gehandelt haben, wie der selbsernannte Kämpfer für die „christlich-abendländische Kultur“ Breivik christlich gehandelt hat, wird das erdrückende Bild der Muslime in Europa nicht verbessern.

Denn das Gebot der Stunde, einen klaren Kopf zu bewahren, werden erfahrungsgemäß wieder nur die wenigen Menschen schaffen, die wissen, das Mord und Totschlag bei jedem Menschen das gleiche Leid hervorruft.

Wer sich in die Gefühlswelt einer palästinensichen Mutter versetzen kann, die in ihren Armen, einen, in das weiße Leichentuch gehüllten, kleinen Körper hält, oder in die des Vater eines unschuldigen afghanischen Kindes, das mit einer US-Drohne umgebracht wurde, weiß wovon hier die Rede ist.

Weder können diese Worte die grausamen Taten der Mörder in Paris relativieren, noch sollten sie in ihrer Ganzheit als „Ihr seid nicht besser“ Argumente genutzt werden. Nein, es soll nur wachrütteln über die vergessene Tatsache, dass die Menschheit im Namen von Ideologien und Religionen täglich Grausamkeiten verübt.

Seien es die muslimischen Fundamentalisten in Syrien, christliche Fundamentalisten in Uganda, jüdische Fundamentalisten in Israel oder die buddhistischen Fundamentalisten in Birma (Myanmar). Es sprengen sich noch heute Menschen auf Grund politischen Ideologien, wie den Marxismus, in die Luft, und es gibt Staaten, die mit todbringenden Bomben und Folter eine vermeintliche Demokratisierung betreiben.

Wenn wir in Europa wahrnehmen können, dass „die Muslime“ genauso Opfer dieses kaputten Systems sind, wie Christen, Juden und andere, kann das Attentat die Opfer des Terrors zusammenschweißen.

Wenn wir nicht mit allen Opfern mit der gleichen Intensität fühlen, sie nicht mit gleicher Intensität wahrnehmen werden wir selbst zu einem Mühlrad des Terrors. Wie das im konkreten Fall aussehen kann, sehen wir in den Reaktionen von Menschen, die nun die Anschläge in Paris für Ihren “Kampf der Zivilisationen” und ihren „Islamhass“ kaltblütig ausnutzen.

Doch genau an diese Menschen gerichtet kann man nur wiederholen, dass eine „Zivilisation“ sich nicht nur in der „technologischen Überlegenheit“, oder „ausgefeilteren Herrschaftssystemen“ manifestiert, sondern auch von der gesellschaftlichen Vernunft.

Wenn sich eine vom Rachegelüst des Terroristen kaum unterscheidbare Rhetorik, in einer journalistischen Publikation oder im politischen Statement wiederfindet, ist man nicht weit entfernt vom Denkmuster dieser Attentäter. Deshalb sind Mahnungen von Angela Merkel und Francois Hollande, den Islam nicht mit Extremismus in Verbindung zu bringen unschätzbar wichtige Worte inmitten einer schwierigen Zeit.

Was denkst Du darüber?

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Aktuell keine Kommentare