Foto: Avni Bilgin
Reisen

Venezianische Schönheit

Es gibt viele schöne Städte in Europa. Viele Orte die man gesehen haben sollte. Für diese Stadt jedoch, reicht „Schönheit” als Umschreibung nicht aus. Sie ist einfach bezaubernd.

«Wie komme ich bloß in die Stadt rein» fragte ich mit einen irritierenden Blick auf mein Navi, der uns nach knapp 12 Stunden Autofahrt in eine belebte Sackgasse in Venedig geführt hatte. Kaum standen wir vor einem Platz, wo Busse eilig rein- und rausfuhren kamen schon gestikulierende Verkehrspolizisten auf uns zu mit der unmissverständlichen Aufforderung zurückzukehren. Nachdem ich dennoch irgendwie die junge italienische Polizistin nach unserem Hotel fragen konnte, zeigte sie mit den Fingern auf ein 10 stöckiges Parkhaus in Sichtnähe. Zwar hatte ich als Unterkunft kein Parkhaus gebucht aber ich verstand schnell, dass zumindest mein müder Passat-Kombi für eine Nacht hier hausieren musste. Wir waren auf Piazzale Roma wo also die Bus-Terminals und Parkhäuser standen. Unsere erste Erkenntnis: mit Auto kommt man in der historischen Altstadt von Venedig nicht weit.

Auto geparkt, Gepäck herausgeholt, standen wir nun vor der nächsten großen Herausforderung. Laut Navi war unser Hotel im Stadtteil San Marco zwar in knapp zwei Kilometer Entfernung, aber mit unserem Gepäck kamen nur Wasserbusse infrage. Bei einer fünfköpfigen Familie kostete die Fahrt über den wunderschönen Canal Grande bis zum Wasserbahnhof Rialto 37,50 €. Ein teurer Spaß, wenn man bedenkt, dass die Strecke höchstens 2 Kilometer lang ist. Canal Grande ist die 4 Kilometer lange und 70 Meter breite Hauptwasserstraße der venezianischen Altstadt. Aber dafür war der erste nächtliche Ausblick vom Wasserbus auf die Lagunenstadt atemberaubend und wir haben die Überfahrt wirklich genossen.

Am Wasserbahnhof Rialto in San Marco mit dem berühmten Wahrzeichen von Venedig, der wunderschönen Rialto-Brücke, haben wir in einer halben Stunde durch die engen Gassen und mehrmaligen Nachfragen unser Hotel gefunden und eingecheckt. Unser erster Eindruck: die historische Altstadt ist ziemlich, ziemlich anders als die Städte, die wir zuvor gesehen haben. Keine Stadt mit bisschen mehr Kanälen als in Amsterdam, sondern ein See, worauf eine wunderschöne Stadt mit türkisblauen Kanälen gebaut worden ist. Alles, wirklich alles läuft hier über Wasserfahrzeuge. Taxis sind Boote, geschäftliche Transporter sind Boote, und Paketpost wird zum großen Erstaunen und Gelächter meiner Kinder auch über DHL und UPS-Wasserboote ausgeliefert.

Mit durchgehend herrlichem 20 Grad Wetter, haben wir dann genug Zeit gehabt um in den folgenden Tagen viele tolle Sehenswürdigkeiten zu besuchen. Neben der schon erwähnten Canal Grande und der Rialto-Brücke ist der Markusplatz mit dem gleichnamigen Markusdom eines der wichtigsten Wahrzeichen von Venedig – wenn nicht gar der Wichtigste. Der Dom wurde zwischen 1063 und 1094 zu Ehren des heiligen Markus erbaut. Direkt an den Markusplatz grenzend steht der architektonisch atemberaubende Dogenpalast, der früher Sitz der Venezianischen Regierung war.

Auf keinen Fall sollte man sich nicht die Bootstour auf die venezianische Insel Burano entgehen lassen. Meistens wird es in einem Kombiangebot für drei Inseln angeboten. Murano, Torcello und Burano aber für unsere Familie war Burano mit ihren bunten malerischen Gassen der Highlight. Wir haben uns in den bunten belebten Gassen der Insel so verloren, dass wir unsere Fähre verpasst haben. Zum Glück durften wir mit unseren Tour-Tickets, die wir einen Tag zuvor über das Internet gekauft hatten, bei der Fähre des gleichen Unternehmens, weiterfahren. Hier auch einen Dank an die türkische Familie aus Norddeutschland, die sich, wie wir später erfahren haben, vergeblich bemüht hat, die Fähre aufzuhalten.

Ganz Venedig ist eine Sehenswürdigkeit, weshalb man für einen Städteurlaub mindestens drei Tage einplanen sollte. Venedig soll eine der teuersten Städte der Welt sein. Aber was Essen und Bekleidung betrifft können wir das nicht bestätigen. Es war zwar nicht günstig aber auch nicht teurer als in einem gewöhnlichen Restaurant oder Geschäft in Deutschland. Auf jeden Fall bietet Venedig seinen Besuchern ein ziemlich anderes Gefühl als Rom oder Toskana, wo wir auch zuvor Urlaub gemacht hatten. Was Kultur, Kunst, Architektur betrifft, ist natürlich ganz Italien ein Highlight, aber diese schöne auf Wasser gebaute Stadt mit Kanälen als Wasserstraßen wirkt so surreal, wie aus einer anderen Welt, dass man es unbedingt gesehen haben muss.

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